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Eine gute Stube

Helft Euch selbst! Eine Stadtwerkstatt mit Reparaturtreff, Bibliothek der Dinge und Schüler-Café

Gesellschaftlicher Wandel // Förderung von Nachhaltigkeit durch gemeinschaftliche Aktionen / Ansätze, die Identität stiften, den Zusammenhalt fördern und wirtschaftliche Chancen eröffnen / Erhalt und Revitalisierung lebendiger Ortszentren

Hinter „Helft Euch selbst!“ steckt eine Projektidee, welche die Installation einer Stadtwerkstatt mit eingebundenem Reparatur-Treff und einer Bibliothek der Dinge beinhaltet.

Diese Stadtwerkstatt soll in Weißwasser im Quartier „Am Boulevard“ angesiedelt werden, das neue Angebot zielt auf Dienstleistungen und Service im soziokulturellen Bereich, sie bietet die Möglichkeit des gemeinsamen Treffens, des Austauschs und der Werterhaltung.

Sie möchte dem wachsenden Lehrstand im Einzelhandel durch Änderung der Funktionalität des Quartiers entgegen wirken und gleichzeitig Initialzündung für das ganze Quartier hinsichtlich ergänzender Maßnahmen zur Belebung und Stärkung der Gemeinschaft und des Gemeinwesens sein.

Sie möchte ermutigen, neue Wege der Zusammenarbeit innerhalb der Stadt zu gehen, das Verständnis fördern, dass in jeder Hinsicht nur gemeinsam mehr erreicht werden kann und Engagement nicht Sache eines oder weniger Einzelner, sondern eine Haltung einer gesamten Stadt und derer Akteure darstellt.
Alle Neugierigen sollen zum Mitmachen, Mitgestalten und offenen Dialog angeregt werden und gemeinsam an einer positiven, nachhaltigen Zukunft arbeiten. Dafür ist fundiertes und faktenbasiertes Wissen ebenso notwendig wie die Wertschätzung und Anerkennung der aktiven Menschen in der Stadt.
Mit der Stadtwerkstatt können sich Selbstwert und Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten der Mitgestaltung entwickeln, was vor dem Hintergrund der politischen Herausforderungen nur förderlich sein kann.

 

// Ausgangssituation

/ Stadt

Die große Kreisstadt Weißwasser/OL. ist im Nordosten Sachsens inmitten einer ausgedehnten Heide- und Teichlandschaft gelegen. Dank der riesigen lokalen Vorkommen an Braunkohle, Quarzsand und Holz erfuhr die Stadt Ende des 19. Jahrhunderts einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich insbesondere in den Wirtschaftsfeldern der Kohleförderung und Glasindustrie niederschlug. Weißwasser entwickelte sich zu einer echten Industriestadt, dies äußerte sich in einem dauerhaft starken Bevölkerungswachstum auf einen Höchststand von über 40.000 Einwohnern im Jahr 1988.

Seit der deutschen Wiedervereinigung ist Weißwasser wie auch die gesamte Region der Lausitz einem massiven wirtschaftlichen Strukturbruch unterworfen. Mit Folgen, wie sie drastischer kaum sein könnten. Die Stadt hat seit 1990 mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren, die Bevölkerungszahl sank mittlerweile auf unter 20.000 Einwohner (Stand 2018: 16.250 Einwohner). Ganze Stadtflächen mit Anlagen der Glasindustrie sind verschwunden, Energie und Kohle spielen kaum mehr eine Rolle.

Das Stadtbild zeichnet sich neu, funktional wie auch emotional. Alte Narben schließen sich, neue Wunden reißen auf, die Gesellschaft ist mehr denn je gefordert. Wie wird Weißwasser diesen Wandel, diese außerordentlichen Verwerfungen bewältigen?

 

/ Quartier

Errichtet zwischen den Jahren 1976 – 1978, hatte das Quartier „Am Boulevard“ neben dem Wohnen, Einzelhandel und Erholungsraum die Bindefunktion zwischen den Wohnkomplexen „Am Wasserturm“ und „Süd“ und dem alten Stadtzentrum. Die Besonderheit des Quartiers liegt sicherlich in der Topographie, über mehrere Terrassen erstrecken sich die Wohn- und Geschäftsriegel, verbunden durch Treppenanlagen und parallel begleitenden Pfad.

Der Boulevard grenzt im Norden an das nach der Wiedervereinigung errichtete CityCenter „Saschowawiese“. Im Osten wird das Quartier von der alten, leerstehenden Glasfachschule nebst Villa, Labor und zugehöriger Parkanlage flankiert. Südlich schließt das Wohngebiet „Am Wasserturm“ an, dessen ehemalige Funktionen der Versorgung und Dienstleistung weitestgehend verloren gegangen sind. Im Westen befinden sich mehrere, langzeilige Plattenbauten mit Sichtbrücken zum Boulevard.

Das Quartier selbst ist gekennzeichnet durch hohen Leerstand an Ladengeschäften, wirtschaftlicher und demographischer Strukturwandel spielen dabei genauso eine Rolle wie Veränderung der Kommunikationsbeziehung oder des Einkaufsverhaltens der Menschen. Und der Trend der Geschäftsaufgabe wird sich angesichts fehlender Nachfolge beim bevorstehenden Generationswechsel eher fortsetzen, sollten jetzt keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Bei der Aufstellung dieser Maßnahmen müssen alte Ansätze aufgegeben werden, Neuausrichtungen sind gefordert. Der Einzelhandel braucht nicht mehr alle existierenden Einkaufsbereiche der Stadt bedienen, sondern darf tatsächlich den Kern Altstadt stärken. Das Quartier „ Am Boulevard“ sollte sich eher als Dienstleister soziokultureller Möglichkeiten und aktiven Lebensgestaltung verstehen und mit verstärkten Angeboten für die Altersgruppe 50+ arbeiten.

 

/ Bürger

Die Folgen des strukturellen und demographischen Wandels der Stadt schlagen sich offenkundig in Zahlen nieder. Über 20.000 Berufstätige haben Stadt und Region seit der Wiedervereinigung verlassen, junge Menschen und Berufsanfänger sehen ihre Chancen weiterhin eher in den Großstädten denn in ihrer Heimatstadt und beschleunigen den Alterungsprozess. Mit einem Durchschnittsalter von 50,3 Jahren hat sich Weißwasser von der einst jüngsten zu einer der ältesten Industriestädte Deutschlands verändert.

Die Schrumpfung der Stadt geht einher mit dem Verlust von persönlichen Beziehungen, abnehmender Vernetzung und fehlender Einbindung in das soziokulturelle Leben. Persönliche Enttäuschungen ob der eigenen Lebensgeschichte führen zum Rückzug aus der Gemeinschaft auf allen Ebenen. Die aktive Lebensgestaltung unterwirft sich zunehmend der Lebensverwaltung und einer einseitig ausgerichteten Erwartungshaltung an die Stadt zur Lösung aller Probleme.

Doch es gibt auch hoffnungsvolle Zeichen. In der Stadtgesellschaft zeigt sich durchaus bemerkenswertes bürgerliches Engagement, kleine Inseln des Miteinanders erscheinen auf der Landkarte und lassen die Bereitschaft zum Einbringen, Mitwirken und Unterstützen gemeinschaftlicher Ideen erkennen. Gegenseitiges Verständnis, Akzeptanz und das „Wir-Gefühl“ benötigen sicherlich noch tatkräftiger Unterstützung, aber das Bewusstsein um der eigenen, gemeinsamen Nöte wird klarer und eröffnet Ansätze, die den Zusammenhalt in der Stadt fördern, Identität stiften und Chancen für den Einzelnen wie auch die Gemeinschaft eröffnen.

 

Was ist eine Stadtwerkstatt?
Was ist ein Reparaturtreff?
Was ist eine Bibliothek der Dinge?
Was ist ein Schüler-Café?

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